Kultur verstehen
Was ist ein KUD?
Warum ein Kulturverein auf dem Balkan mehr ist als ein Tanzkurs.
KUD steht für kulturno-umjetničko društvo — Kultur- und Kunstverein. Das B in unserem Namen steht für bošnjačko, also bosniakisch. Ausgeschrieben heißen wir Bošnjačko kulturno umjetničko društvo Sebilj.
Solche Vereine sind auf dem gesamten Balkan verbreitet und haben dort eine andere Bedeutung als eine Tanzschule in Deutschland. Ein KUD ist kein Kursangebot, das man bucht und wieder kündigt, sondern eine Gemeinschaft, die über Jahre zusammenwächst. Getragen wird sie von Ehrenamt: Trainerinnen, Eltern, Vorstand, Näherinnen, Fahrer. Bezahlt wird niemand.
Ein KUD pflegt in der Regel mehrere Bereiche gleichzeitig — Volkstanz, Musik, Gesang, manchmal auch Theater oder Literatur. Der Tanz ist dabei der sichtbarste Teil, aber nie der einzige. Wer in einem KUD aufwächst, lernt nicht nur Schrittfolgen, sondern auch, wie eine Tracht getragen wird, welches Lied zu welcher Region gehört und in welcher Reihenfolge ein Programm aufgebaut ist.
In der Diaspora
Für Familien, die seit einer oder zwei Generationen in Deutschland leben, ist der Verein oft der Ort, an dem die Kinder der Kultur ihrer Großeltern zum ersten Mal begegnen — nicht als Erzählung, sondern als etwas, das man selbst tut. Ein Kind, das ein Kolo tanzen kann, hat einen Zugang zu seiner Herkunft, den kein Erzählen ersetzt.
Genau das ist unsere Aufgabe in Mülheim.